Frustriert von seinem Bürojob und fasziniert von der Idee, ein bewusstes, ursprüngliches Leben in freier Natur zu führen, fasst der Journalist Guy Grieve einen mutigen Entschluss: Einen Winter lang will er sich, ganz auf sich allein gestellt, in einer selbst gebauten Blockhütte in den Wäldern Alaskas durchschlagen. Sein Problem: Er verfügt gerade mal über Camping-Erfahrung und hat schon Schwierigkeiten, ein Regal für seine Söhne aufzubauen. Mit dem Segen seiner Frau bricht er dennoch auf – in das Abenteuer seines Lebens, das er in seinem Buch "Alaskawinter" in der Buchreihe "Im Spiegel der Zeit" beschreibt.


Nach seiner "Auszeit" in Alaska sprach Reader’s Digest (RD) mit dem Autor Guy Grieve (GG).

RD: War es nach Ihrer Rückkehr schwierig für Sie, wieder in ein geordnetes Familienleben zurückzufinden?
GG: Glücklicherweise lief alles glatt. Es war ein gutes Gefühl, wieder dort zu sein, wo man hingehört. Der Gedanke an meine Familie hat mich all die langen Monate durchhalten lassen. Ich finde es sehr wichtig, etwas im Leben zu haben, das einem mehr bedeutet als man selbst.

RD: Was haben Ihre Kinder zu Ihrem Abenteuer gesagt?
GG: Mein jüngerer Sohn, der damals gerade ein Jahr alt war, hat das alles noch gar nicht richtig kapiert. Der ältere wusste natürlich, dass ich weit weg war. Paradoxerweise hat es ihm geholfen, dass ich eine solch völlig verrückte Reise angetreten habe. Es war für ihn, als wäre ich in eines seiner Abenteuerbücher hineingestiegen, mit Bären, Eis und Schnee und Flüssen voller Fische. Wenn man ihm erklärt hätte, ich wäre als Steuerbuchhalter für ein Unternehmen nach Dubai gegangen – wie hätte er das wohl aufgenommen?

RD: Hat diese Erfahrung Sie verändert?
GG: Einer der ersten Sätze, die meine Frau zu mir sagte, war: "Du hast dich nicht verändert." Sie war erleichtert, dass ich nicht als "hartgesottener Nordmann" zurückgekommen war. Ich fragte sie, warum ich mich ihrer Ansicht nach nicht verändert hätte, und sie antwortete: "Es hat wohl immer in dir dringesteckt, das zu tun – um es wirklich durchzustehen, musstest du kein anderer Mensch werden." Ich glaube, sie war immer schon gescheiter als ich.

RD: Was genießen Sie nach Ihrer Rückkehr besonders?
GG: Lange auszuschlafen und dafür zu sorgen, dass meine Frau nicht einfach entschwindet, um etwas Nützliches zu tun. Dann aufzustehen und ein Frühstück zuzubereiten, bei dem mein Arzt in Ohnmacht fallen würde: mit Pfannkuchen, Speck, Eiern, Toast …

RD: Und welche Zukunftspläne haben Sie?
GG: Ich würde gern weiterschreiben und dabei einen Ratschlag von Henry Thoreau nicht aus den Augen verlieren: "Wie sinnlos ist es, sich hinzusetzen und zu schreiben, wenn man nicht vorher mit beiden Beinen im Leben gestanden hat."

"Alaskawinter" von Guy Grieve finden Sie in unserer Buchreihe "Im Spiegel der Zeit"

 

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